CBAM für Aluminium-Importeure: Der komplette Leitfaden
von Team CBAM Software
CBAM für Aluminium-Importeure: Der komplette Leitfaden
Unter allen CBAM-pflichtigen Materialien ist Aluminium in einer besonderen Situation: Die Produktionsemissionen sind nicht nur hoch – sie variieren je nach Produktionsstandort und Energiemix extremer als bei jedem anderen Werkstoff. Primäraluminium aus einem Kohlekraftwerk-lastigen Land kann 20-mal mehr CO2 verursachen als Recyclingaluminium aus Skandinavien. Was das für Ihre CBAM-Pflicht bedeutet und wie Sie damit umgehen, erklärt dieser Leitfaden.
Warum Aluminium beim CBAM so teuer werden kann
Aluminium wird durch Elektrolyse aus Aluminiumoxid (Tonerde) gewonnen – den sogenannten Hall-Héroult-Prozess. Dieser Prozess ist extrem stromhungrig: Die Herstellung einer Tonne Primäraluminium verbraucht zwischen 13.000 und 17.000 kWh Strom. Das ist mehr als ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt in Deutschland in fünf Jahren verbraucht.
Die Emissionen, die dabei entstehen, hängen fast vollständig vom verwendeten Strommix ab:
| Strommix | Emissionsfaktor | CO2 pro Tonne Aluminium (indirekt) | |----------|-----------------|-----------------------------------| | Kohlestrom (China, Indien) | 0,85 t CO2/MWh | 12,8 – 15,3 t CO2 | | EU-Durchschnitt | 0,30 t CO2/MWh | 4,5 – 5,4 t CO2 | | Wasserkraft (Norwegen, Island) | 0,01 t CO2/MWh | 0,15 – 0,20 t CO2 | | Erneuerbarer Strom (zertifiziert) | ~0,02 t CO2/MWh | 0,30 – 0,40 t CO2 |
Hinzu kommen direkte Emissionen aus dem Anodenverbrauch (perfluorkohlenstoffbasierte PFC-Emissionen), die weitere 0,3 bis 1,5 t CO2e pro Tonne ausmachen.
Das Resultat: Der EU-Standardwert für Primäraluminium liegt bei 14,18 t CO2e pro Tonne – ein Wert, der auf Basis von Importdaten aus Hochkohlenstoff-Ländern berechnet wurde und für viele Lieferanten erheblich zu hoch ist. Mehr zur CBAM-Kostenstruktur und wie Sie diese beeinflussen können.
Welche Aluminiumprodukte sind von CBAM betroffen?
CBAM gilt nicht für alle Aluminiumprodukte. Die Regulierung erfasst die Warencodes, bei denen die Emissionen klar der Produktion zugerechnet werden können.
Betroffene Produktkategorien (Auswahl)
| Produktgruppe | KN-Code | Anmerkung | |---------------|---------|-----------| | Rohes Aluminium (Primär + Sekundär) | 7601 | Kernbereich CBAM | | Aluminiumlegierungen (nicht verarbeitet) | 7601 20 | Legierungen eingeschlossen | | Aluminiumstäbe und -profile | 7604 | Strangpressprodukte | | Aluminiumdraht | 7605 | Alle Legierungen | | Aluminiumbleche und -bänder | 7606, 7607 | Dicke ab 0,2 mm | | Aluminiumrohre und -hohlprofile | 7608 | Alle Typen | | Aluminiumkonstruktionsteile | 7610 | Fenster, Türen, Rahmen | | Aluminiumverpackungen | 7612, 7613 | Dosen, Fässer, Behälter | | Schrauben, Muttern, Niete aus Aluminium | 7616 | Kleinteile, Befestiger |
Nicht direkt betroffen (noch nicht im CBAM-Scope):
- Fertige Konsumgüter aus Aluminium (z.B. Fahrräder, Möbel)
- Aluminiumhaltige Verbundwerkstoffe mit unter 50% Aluminiumanteil
- Aluminiumabfälle und -schrott
Prüfen Sie immer anhand der exakten Zolltarifnummer (KN-Code), ob Ihr Produkt betroffen ist. Im Zweifel hilft eine Auskunft beim Hauptzollamt oder ein Blick in die CBAM-Durchführungsverordnung.
Primär- vs. Sekundäraluminium: Der entscheidende Unterschied
CBAM macht den fundamentalen Unterschied zwischen frisch produziertem und recyceltem Aluminium sichtbar.
Primäraluminium
Primäraluminium wird aus Bauxit über Tonerde gewonnen und dann per Elektrolyse zu Metall reduziert. Dieser Prozess ist energieintensiv und emissionsreich. Die Emissionen hängen stark vom Strommix des Produktionslandes ab.
Typische Herkunftsländer für CBAM-betroffene Primäraluminium-Importe:
- China (Weltmarktführer, hoher Kohlestromanteil)
- Russland (gemischter Energiemix)
- Bahrain, VAE (Gasstrom, mittlere Emissionen)
- Indien (hoher Kohlestromanteil)
Sekundäraluminium (Recycling)
Sekundäraluminium wird aus Aluminiumschrott eingeschmolzen. Der Schmelzprozess benötigt nur etwa 5% der Energie der Primärproduktion. Der CBAM-Standardwert für Sekundäraluminium liegt dementsprechend bei nur 0,70 t CO2e/t – ein Bruchteil des Primärwerts.
Praktische Konsequenz: Wenn Ihre Lieferanten Recyclingaluminium einsetzen, sind die CBAM-Kosten dramatisch niedriger. Fordern Sie immer eine explizite Bestätigung des Sekundäranteils vom Lieferanten an.
Indirekte Emissionen dominieren beim Aluminium
Bei den meisten anderen CBAM-Materialien sind direkte Emissionen (aus Verbrennung und Prozessreaktionen) der größere Posten. Bei Aluminium ist es umgekehrt: Indirekte Emissionen aus dem Stromverbrauch machen typischerweise 85 bis 95% der Gesamtemissionen aus.
Das hat wichtige Implikationen für die Datenerhebung:
- Strommix-Dokumentation ist entscheidend: Ohne Nachweis über den verwendeten Strommix greifen EU-Standardwerte für den Emissionsfaktor – und die sind für viele Länder hoch angesetzt
- Erneuerbare Energie als Wettbewerbsvorteil: Lieferanten, die nachweislich Strom aus Wasserkraft oder zertifizierten Erneuerbaren beziehen, haben deutlich niedrigere indirekte Emissionen
- PPA-Verträge werden relevant: Power Purchase Agreements mit erneuerbaren Erzeugern können den Emissionsfaktor des bezogenen Stroms erheblich senken
Vergleich mit anderen CBAM-Materialien
Um die Besonderheit von Aluminium zu verdeutlichen, hier der direkte Vergleich mit Stahl und Zement:
| Material | Typische SEE (t CO2e/t) | Anteil indirekter Emissionen | CBAM-Kosten bei 75 €/t CO2 | |----------|------------------------|-----------------------------|-----------------------------| | Primäraluminium (Kohle) | 14-16 | 85-90% | 1.050-1.200 €/t | | Primäraluminium (Wasserkraft) | 2-4 | 70-80% | 150-300 €/t | | Sekundäraluminium | 0,5-1,0 | 40-60% | 38-75 €/t | | Stahl (Hochofen) | 1,8-2,4 | 5-15% | 135-180 €/t | | Zement (Standard) | 0,7-0,85 | 10-20% | 53-64 €/t |
Die Spreizung bei Aluminium ist enorm. Gleichzeitig bedeutet das: Wer gezielt emissionsärmere Lieferanten wählt, kann die CBAM-Kosten um den Faktor 5 bis 10 senken.
Praktische Tipps für Aluminium-Importeure
1. Lieferantenaudit priorisieren Fragen Sie aktiv nach dem Strommix des Schmelzwerks. Ist Wasserkraft im Spiel? Gibt es zertifizierte Herkunftsnachweise (Guarantees of Origin, GoO)? Diese Informationen können Ihre CBAM-Kosten massiv senken.
2. Sekundäranteil dokumentieren Fordern Sie eine schriftliche Bestätigung über den Anteil von Recyclingmaterial. Mischprodukte können anteilig bewertet werden – das lohnt sich bei jeder Gelegenheit.
3. Herkunftsland bei der Lieferantenauswahl einbeziehen Island, Norwegen und Kanada produzieren mit sehr sauberem Strom. China und Indien produzieren oft mit Kohlestrom. Diese Unterschiede schlagen sich ab 2026 direkt in Ihren CBAM-Zertifikatskosten nieder.
4. Langfristige Lieferverträge mit CBAM-Klauseln versehen Klären Sie vertraglich, wer die CBAM-Kosten trägt und ob der Lieferant verpflichtet ist, Emissionsdaten bereitzustellen. Ohne vertragliche Regelung liegt das Risiko komplett beim Importeur.
5. Früh mit der Zertifikatsstrategie beginnen Bei hohen Importvolumina lohnt es sich, die Zertifikatskäufe über das Jahr zu verteilen, um Preisschwankungen auszugleichen.
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