CBAM-Kosten pro Tonne: Rechner und Beispiele für 2026
von Team CBAM Software
CBAM-Kosten pro Tonne: Rechner und Beispiele für 2026
"Was kostet mich CBAM?" – das ist die Frage, die Importeure am meisten beschäftigt. Die Antwort hängt von zwei Variablen ab: dem EU-ETS-Preis und den spezifischen Emissionen Ihrer Waren. Dieser Artikel liefert konkrete Rechenbeispiele für Stahl, Aluminium und Zement sowie eine einfache Formel, mit der Sie Ihre eigenen Kosten berechnen können.
Die CBAM-Kostenformel
Die Grundformel für CBAM-Kosten ist einfach – die Variablen dahinter sind es weniger:
CBAM-Kosten = Importmenge (t) × Spezifische Emissionen (t CO2e/t) × ETS-Preis (€/t CO2)
Drei Faktoren, drei Stellschrauben:
- Importmenge – Nur Sie steuern, wie viel Sie importieren
- Spezifische Emissionen – Hängen von Lieferant, Land und Produktionsverfahren ab
- ETS-Preis – Wird am Markt bestimmt, Sie können ihn nicht direkt beeinflussen, aber über den Kaufzeitpunkt partiell steuern
Entscheidend ist der Unterschied zwischen Emissionsdaten: Verwenden Sie EU-Standardwerte (Default Values), zahlen Sie systematisch mehr als mit tatsächlichen, verifizierten Werten (Actual Values). Mehr dazu in unserem Artikel zu CBAM-Standardwerten.
Der EU-ETS-Preis: Was Sie wissen müssen
CBAM-Zertifikate werden nicht eigenständig gehandelt. Ihr Preis entspricht dem wöchentlichen Durchschnittsauktionspreis der EU-ETS-Zertifikate (Europäisches Emissionshandelssystem). Die Schwankungen des CO2-Preises sind erheblich und schwer vorherzusagen.
Historische und projizierte ETS-Preise
| Zeitraum | ETS-Preis (Durchschnitt) | Anmerkung | |----------|--------------------------|-----------| | 2021 | 50 €/t | Starker Anstieg | | 2022 | 80 €/t | Historisches Hoch | | 2023 | 65 €/t | Preiskorrektur | | 2024 | 55-70 €/t | Stabilisierung | | 2025 (Prognose) | 60-80 €/t | Leicht steigend | | 2026 (Prognose) | 70-90 €/t | CBAM-Start treibt Erwartungen | | 2027-2030 (Prognose) | 80-120 €/t | Strukturell steigend |
Quelle: Marktprognosen verschiedener Analysten (Stand 2025). Kein Anspruch auf Vollständigkeit.
Die Langfristperspektive ist klar: Der EU-ETS-Preis ist strukturell steigend, da die Anzahl verfügbarer Zertifikate jährlich reduziert wird. Wer CBAM-Kosten langfristig kalkuliert, sollte konservative Preisannahmen von 80 bis 100 Euro pro Tonne CO2 einplanen.
Einen vollständigen Überblick zu CBAM-Kosten und Kostenstrukturen bietet unser dedizierter Kostenbereich.
Rechenbeispiel 1: Stahl
Stahl ist die CBAM-Kategorie mit dem größten Importvolumen in Deutschland. Die Emissionen variieren stark je nach Produktionsroute.
Szenario A: Mittelständischer Stahlimporteur
Ausgangslage:
- Importmenge: 1.500 Tonnen Warmband aus der Ukraine
- Produktionsroute: Hochofen (typisch für Ukraine)
- Spezifische Emissionen (Actual Value): 1,92 t CO2e/t
- ETS-Preis Annahme: 75 €/t CO2
Berechnung:
CBAM-Kosten = 1.500 t × 1,92 t CO2e/t × 75 €/t CO2
CBAM-Kosten = 216.000 €
Was passiert mit Standardwerten?
Standardwert Warmband: 2,41 t CO2e/t
CBAM-Kosten = 1.500 × 2,41 × 75 = 271.125 €
Mehrkosten durch Standardwert: 55.125 € (+25,5%)
Szenario B: EAF-Stahl aus der Türkei
- Importmenge: 1.500 t
- Produktionsroute: Elektrolichtbogenofen (Schrottbasiert)
- Spezifische Emissionen (Actual Value): 0,48 t CO2e/t
- ETS-Preis: 75 €/t CO2
CBAM-Kosten = 1.500 × 0,48 × 75 = 54.000 €
Der Unterschied zur Hochofen-Route: 162.000 Euro weniger bei gleicher Importmenge. Das zeigt, wie stark die Wahl des Lieferanten und der Produktionsroute die CBAM-Kosten bestimmt.
Produktionsrouten und deren Emissionsfaktoren sind detailliert in unserem Artikel CBAM für Stahl-Importeure beschrieben.
Rechenbeispiel 2: Aluminium
Aluminium hat das größte Kostengefälle aller CBAM-Materialien, da der Strommix des Produktionslandes so dominant ist.
Szenario A: Primäraluminium aus China
- Importmenge: 200 Tonnen Aluminiumbleche
- Produktionsland: China (kohlestrombasiert)
- Spezifische Emissionen: 14,2 t CO2e/t (nahe Standardwert)
- ETS-Preis: 75 €/t CO2
CBAM-Kosten = 200 × 14,2 × 75 = 213.000 €
Pro importierter Tonne Aluminium: 1.065 €
Szenario B: Primäraluminium aus Island (Wasserkraft)
- Importmenge: 200 Tonnen Aluminiumbleche
- Produktionsland: Island (nahezu 100% Geothermie/Wasserkraft)
- Spezifische Emissionen: 1,8 t CO2e/t (mit Actual Value)
- ETS-Preis: 75 €/t CO2
CBAM-Kosten = 200 × 1,8 × 75 = 27.000 €
Pro importierter Tonne Aluminium: 135 €
Kostenunterschied: 186.000 Euro – bei identischer Importmenge und identischem Material. Das Herkunftsland und der Nachweis des Strommixes entscheiden also über Kostenfaktoren im sechsstelligen Bereich.
Szenario C: Sekundäraluminium (Recycling)
- Importmenge: 200 Tonnen
- Spezifische Emissionen: 0,70 t CO2e/t (Standardwert Sekundäraluminium)
- ETS-Preis: 75 €/t CO2
CBAM-Kosten = 200 × 0,70 × 75 = 10.500 €
Rechenbeispiel 3: Zement
Zement ist ein CBAM-Sektor mit vergleichsweise geringerer Emissionsvariabilität – die CO2-Emissionen der Klinkerproduktion sind durch den Kalzinierungsprozess physikalisch bedingt und schwer zu reduzieren.
Szenario: Portlandzement-Import aus der Türkei
- Importmenge: 5.000 Tonnen Portlandzement
- Spezifische Emissionen (Actual Value): 0,74 t CO2e/t
- ETS-Preis: 75 €/t CO2
CBAM-Kosten = 5.000 × 0,74 × 75 = 277.500 €
Mit Standardwert (0,762 t CO2e/t):
CBAM-Kosten = 5.000 × 0,762 × 75 = 285.750 €
Mehrkosten: 8.250 € (+3%)
Bei Zement ist der Unterschied zwischen Standardwert und tatsächlichen Emissionen geringer als bei Stahl oder Aluminium – der Datenbeschaffungsaufwand muss also gegen den erzielbaren Einspareffekt abgewogen werden.
Kostentabelle: Schnellübersicht nach Material
Diese Übersicht zeigt die CBAM-Kosten pro Tonne bei einem ETS-Preis von 75 €/t CO2:
| Material | Emissionen (t CO2e/t) | CBAM-Kosten (€/t) | Datenquelle | |----------|-----------------------|-------------------|-------------| | Stahl (Hochofen, typisch) | 1,80 – 2,10 | 135 – 158 | Actual Value | | Stahl (EAF, Schrott) | 0,35 – 0,55 | 26 – 41 | Actual Value | | Stahl Standardwert (Warmband) | 2,41 | 181 | Default Value | | Aluminium (China, Kohle) | 13 – 16 | 975 – 1.200 | Actual Value | | Aluminium (Norwegen, Wasserkraft) | 1,5 – 2,5 | 113 – 188 | Actual Value | | Aluminium Standardwert (Primär) | 14,18 | 1.064 | Default Value | | Aluminium Sekundär | 0,70 | 53 | Default Value | | Zement (Portland, typisch) | 0,72 – 0,78 | 54 – 59 | Actual Value | | Zement Standardwert | 0,762 | 57 | Default Value | | Düngemittel (Harnstoff) | 2,50 – 2,80 | 188 – 210 | Actual Value | | Wasserstoff (grau) | 10 – 12 | 750 – 900 | Actual Value |
So senken Sie Ihre CBAM-Kosten
Maßnahme 1: Tatsächliche Emissionsdaten beschaffen Der effektivste Hebel. Wie gezeigt, sparen individuelle Daten gegenüber Standardwerten 3 bis 30 Prozent der CBAM-Kosten – je nach Material. Fordern Sie von Ihren Lieferanten verifizierte Emissionsberichte an.
Maßnahme 2: Lieferanten mit niedrigeren Emissionen priorisieren Nicht jeder Lieferant produziert gleich. Stahl aus EAF-Anlagen, Aluminium mit Wasserkraftstrom oder Zement mit hohem Schlackeanteil – das sind die richtigen Fragen bei der Lieferantenauswahl.
Maßnahme 3: Emissionsarme Alternativen prüfen Für bestimmte Anwendungen gibt es Materialsubstitution oder Beschaffung aus der EU. Stahl aus deutschen Elektrostahlwerken unterliegt keinem CBAM (EU-Produktion), auch wenn er nicht immer verfügbar oder preislich konkurrenzfähig ist.
Maßnahme 4: Zertifikatskäufe strategisch planen Bei größeren Mengen kann ein Kauf bei niedrigeren ETS-Preisen sinnvoll sein. CBAM-Zertifikate können nicht lange gehalten werden (Verfall nach einem bestimmten Zeitraum), aber ein gewisser Puffer ist möglich.
Maßnahme 5: Vertragliche CBAM-Klauseln einführen Klären Sie in Lieferverträgen, wer die CBAM-Kosten trägt und ob der Lieferant die Datenbereitstellungspflicht übernimmt. Das schafft Planungssicherheit auf beiden Seiten.
Detaillierte Preisinformationen und den aktuellen ETS-Preis finden Sie auf unserer Preisseite. Für eine vollständige Kostenanalyse Ihres Importportfolios empfehlen wir eine individuelle Beratung oder den Einsatz unserer Software.
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