CBAM-Standardwerte 2026: Alle Emissionsfaktoren im Überblick
von Team CBAM Software
CBAM-Standardwerte 2026: Alle Emissionsfaktoren im Überblick
Wer keine verifizierten Emissionsdaten von seinen Lieferanten erhält, ist auf die sogenannten CBAM-Standardwerte angewiesen – auch bekannt als Default Values. Diese von der EU-Kommission festgelegten Werte klingen praktisch, sind aber in Wirklichkeit eine teure Notlösung. Dieser Artikel erklärt, was Standardwerte sind, wann sie gelten und wie Sie vermeiden, systematisch zu viel zu zahlen.
Was sind CBAM-Standardwerte (Default Values)?
Die Europäische Kommission hat für jede CBAM-pflichtige Warengruppe standardisierte Emissionsfaktoren festgelegt. Diese Default Values geben an, wie viel CO2-Äquivalent bei der Produktion einer Tonne des jeweiligen Materials typischerweise entsteht – gemessen auf Basis eines globalen Durchschnitts, der bewusst konservativ (also hoch) angesetzt ist.
Das Prinzip dahinter ist einfach: Die EU will verhindern, dass Importeure bei fehlenden Daten "glimpflich" davonkommen. Standardwerte funktionieren als finanzieller Anreiz, tatsächliche Emissionsdaten zu erheben. Je schlechter die Datenqualität, desto teurer wird CBAM.
Standardwerte werden angewendet, wenn:
- Ein Lieferant keine Emissionsdaten bereitstellen kann oder will
- Die vorliegenden Daten nicht den EU-Verifizierungsanforderungen entsprechen
- Keine von einer akkreditierten Stelle geprüften Werte vorliegen
Mehr zu den Grundbegriffen finden Sie in unserem CBAM-Glossar.
Die offiziellen Standardwerte nach Materialgruppe
Die folgenden Werte basieren auf den Durchführungsverordnungen der EU-Kommission. Sie werden regelmäßig aktualisiert – prüfen Sie stets die aktuell geltende Version auf cbam-standardwerte.
Stahl und Eisen
| Produkt | KN-Code (Beispiele) | Standardwert (t CO2e/t) | |---------|---------------------|-------------------------| | Roheisen | 7201 | 1,72 | | Ferrolegierungen | 7202 | 2,15 | | Rohstahl (Hochofen) | 7206-7207 | 2,32 | | Rohstahl (EAF) | 7206-7207 | 0,44 | | Warmgewalzte Flacherzeugnisse | 7208-7211 | 2,41 | | Kaltgewalzte Flacherzeugnisse | 7209-7212 | 2,58 | | Beschichtete Stahlprodukte | 7210, 7212 | 2,63 | | Stabstahl, Profile | 7214-7216 | 2,36 | | Nahtlose Rohre | 7304 | 2,55 |
Aluminium
| Produkt | KN-Code (Beispiele) | Standardwert (t CO2e/t) | |---------|---------------------|-------------------------| | Primäraluminium (Rohbarren) | 7601 | 14,18 | | Sekundäraluminium (Recycling) | 7601 | 0,70 | | Aluminiumlegierungen | 7601 | 11,54 | | Aluminiumbleche und -bänder | 7606 | 12,40 | | Strangpressprofile | 7604 | 12,80 |
Zement und Klinker
| Produkt | KN-Code (Beispiele) | Standardwert (t CO2e/t) | |---------|---------------------|-------------------------| | Zementklinker | 2523 10 | 0,844 | | Portlandzement | 2523 21 | 0,762 | | Hochofenzement | 2523 29 | 0,480 | | Aluminatzement | 2523 90 | 0,750 |
Düngemittel
| Produkt | KN-Code (Beispiele) | Standardwert (t CO2e/t) | |---------|---------------------|-------------------------| | Ammoniak | 2814 | 2,38 | | Salpetersäure | 2808 | 1,53 | | Harnstoff | 3102 10 | 2,65 | | Ammoniumnitrat | 3102 30 | 2,19 | | Mischungen Stickstoffdünger | 3105 | 2,20 |
Wasserstoff
| Produkt | KN-Code (Beispiele) | Standardwert (t CO2e/t) | |---------|---------------------|-------------------------| | Wasserstoff (grau, SMR) | 2804 10 | 11,60 | | Wasserstoff (blau, mit CCS) | 2804 10 | 2,50 |
Warum individuelle Daten günstiger sind
Der entscheidende Unterschied zwischen Standardwerten und individuellen Emissionsdaten ist finanzieller Natur. Standardwerte orientieren sich am globalen Durchschnitt – und dieser liegt in fast allen Kategorien deutlich über dem, was ein moderner, effizienter Produzent tatsächlich emittiert.
Rechenbeispiel: Stahl aus Deutschland vs. Standardwert
Ein polnisches Stahlwerk, das mit moderner Direktreduktionsanlage produziert, emittiert real etwa 1,3 t CO2 pro Tonne Stahl. Der Standardwert für Walzstahlprodukte liegt bei 2,41 t CO2/t – also fast doppelt so hoch.
Importmenge: 500 Tonnen Walzstahl
CO2-Preis: 75 €/t
Mit Standardwert: 500 × 2,41 × 75 = 90.375 €
Mit individuellem Wert: 500 × 1,30 × 75 = 48.750 €
Ersparnis durch individuelle Daten: 41.625 €
Der Aufwand, Lieferantendaten einzuholen und zu verifizieren, rechnet sich ab einem gewissen Importvolumen innerhalb weniger Monate. Bei größeren Mengen zahlt sich ein strukturiertes Datenmanagement schon ab dem ersten Quartal aus.
Wann sind Standardwerte trotzdem sinnvoll?
Es gibt Situationen, in denen der Einsatz von Default Values vertretbar oder sogar notwendig ist:
- Kleine Importmengen: Wenn die CBAM-Kostendifferenz unter ein paar Tausend Euro liegt, übersteigt der Aufwand für die Datenbeschaffung oft den Nutzen
- Einmalige oder seltene Importe: Für sporadische Käufe lohnt sich ein aufwändiger Verifizierungsprozess nicht
- Übergangsweise: Wenn ein Lieferant noch in der Datenerhebung ist und die Daten für das nächste Jahr erwartet werden
In allen anderen Fällen sollte der Einsatz von Standardwerten als vorübergehende Lösung betrachtet werden – nicht als dauerhafte Strategie.
So erhalten Sie individuelle Emissionsdaten
Die Alternative zu Standardwerten sind sogenannte "Actual Values" – tatsächliche, lieferantenspezifische Emissionswerte. Diese müssen von einer akkreditierten Verifizierungsstelle geprüft werden.
Schritte zur Datenbeschaffung:
- Lieferantenanfrage formulieren: Kontaktieren Sie Ihre Lieferanten mit einem klaren Datenblatt, das die benötigten Emissionswerte spezifiziert (direkte und indirekte Emissionen, Anlagenkennung, Berichtszeitraum)
- Verifizierungsanforderung prüfen: Stellen Sie sicher, dass die Daten von einer akkreditierten Stelle nach ISO 14064 oder äquivalentem Standard geprüft wurden
- Daten im EU-Portal hinterlegen: Verifizierte Werte werden im CBAM-Transitional Registry eingetragen
- Jährliche Aktualisierung sicherstellen: Emissionsdaten verlieren nach einem Jahr ihre Gültigkeit – planen Sie die jährliche Erneuerung ein
CBAM Software automatisiert die Kommunikation mit Lieferanten und hilft Ihnen, fehlende Daten systematisch nachzuverfolgen. Jetzt kostenlos starten und Standardwerte vermeiden.